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Chronik der Volksschule St. Nikola

 

1067 wird die Volkschule St. Nikola zum ersten Mal in den Aufzeichnungen erwähnt. Sie wird hier im Zusammenhang des Klosters St. Nikola genannt, das zu den „wichtigsten Klöstern der Augustinerchorherren in Deutschland“ zählt.

1204 wird die Schule St. Nikola als eine in hohem Ansehen stehende schulische Einrichtung genannt. Ein sogenannter Friedrich wirkt hier pädagogisch wirkungsvoll als Scholastikus.

Lückenlos reihen sich nun Schulmeister und Magister scholarum viele Jahrhunderte aneinander. 1517 wird ein Leonhard Paminger erwähnt, sein Sohn folgt ihm im pädagogischen Tun und so wird schon damals der Grundstein für sich noch öfter wiederholende Lehrerdynastien an der Schule St. Nikola gelegt.

1569 wird in den Wirren der Reformation von jedem Lehrer der Eid auf das tridentinische Glaubensbekenntnis abverlangt.

Ansicht+Klosteranlage+St.+Nikola+1701+(Holzschnitt)
Stich von 1688

Die Jahrhunderte vergehen, um 1787 kann man in den Annalen nachlesen, dass sich unter Franz Schröcksnadl eine Vorform der heutigen Ganztagesschule etablierte. Als Unterrichtszeiten werden
7.00 Uhr bis 10.00 Uhr und 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr vermerkt.

 

Napoleon wird 1806 erwähnt. Bayern wurde in diesem Jahr unter dem Minister Maximilian Graf von Montgelas zum führenden Mitglied im Rheinbund und Bündnispartner von Napoleon. Für seine Bündnistreue wurde Bayern zum Königreich durch den französischen Kaiser aufgewertet und Max Joseph am 1. Januar 1806 in München als Maximilian I. Joseph zum ersten König Bayerns erhoben. Die Anlehnung an Frankreich hatte jedoch einen hohen Preis: So mussten 1812 dreißigtausend bayerische Soldaten Napoleons Feldzug gegen Russland mit dem Leben bezahlen.

In Nikola wurde zu dieser Zeit ein Lazarett eingerichtet und die Hofmark St. Nikola kam nicht ungeschoren davon. Sie wurde 1809 dem Erdboden gleich gemacht.

1833 bestand das Dorf St. Nikola aus 770 Einwohnern. 230 Schüler wurden vom Lehrer Seyfried unterrichtet, der ein Freund von Pestalozzi war und einen der ersten Lehrpläne verfasste, die heute noch in der Bayerischen Staatsbibliothek in München archiviert sind und gesichtet werden können.

Georg Seyfried gelang es neben der Unterweisung von 230 Schülern auch mehrere pädagogische Schriften zu veröffentlichen. Auf seinem Stundenplan standen neben der Sprachlehre, Geographie, bayerische Geschichte, Naturgeschichte, Naturlehre, Zeitrechnung, Körper- und Seelenlehre, Kopf- und Tafelrechnen und Himmelskörperlehre.

Aber auch die Gesundheitslehre wurde nicht außer Acht gelassen. Wohlanständigkeits- und Schulgesetze liegen in schriftlicher Form vor („Wer in der Schule schwätzt, lacht, tändelt, oder ander stört, muss an einem besonderen Ort stehen“).

Er wirkte 36 Jahre an der Schule St. Nikola in Passau.

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Lageplan Nikolaschule 1877

1870 wird die Gemeinde St. Nikola nach Passau eingemeindet und 1879 unsere heutige St. Nikolaschule errichtet.

Bei 375 Schülern hatte die Schulaufsichtsbehörde 1878 nun endlich ein Einsehen. Ab jetzt wurden 4 Lehrer und ein Schulgehilfe in den Annalen aufgeführt: Joseph Bill, Michael Mirwald, Emeram Außerbauer und Rudolph Then. Joseph Bill erwarb sich einen großen Ruf als Komponist. Weit über 100 Kompositionen für Männerchöre, Mazurkas, Märsche, requien, Messen und Litaneien liegen vor. Er selbst spielte außer Orgel und Klavier sämtliche Streich-, Holz- und Blasinstrumente.
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Anfang des 19. Jahrhunderts, 1884 wird die Nikolaschule in eine Knabenschule und eine Mädchenschule St. Nikola aufgeteilt. Jeweils rund 100 Feiertagsschüler werden neben den 375 Werktagsschülern bei den Knaben und 254 Werktagsschülerinnen in der Mädchenschule aufgeführt.

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Postkarte um 1900

Am 29. Januar 1936 waren 95% der Schüler der Nikolaschule von der HJ erfasst. Die Schule erhielt das Recht die HJ-Fahne zu hissen.

1938 erfolgte eine Abstimmung gegen die Bekenntnisschule und für die Gemeinschaftsschule. Am 14.11. wurde die Nikolaschule in „Hans-Schemm-Schule“ umbenannt.

YV6L0001 Klasse 1 (evangelische) 1947-48 Bild v. frau Anna Staudinger
Klasse 1 ev. 1947/1948

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Nikolaschule um 1950

Lückenlos liegen alle Listen der unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer bis heute vor. 

1964 wurde die katholische Volksschule für Knaben und die katholische Volksschule für Mädchen aufgelöst und zu der katholischen Volksschule St. Nikola zusammengelegt. Die Oberklassen der Altstadt, Innstadt und Ilzstadt wurden zur Hauptschule St. Stephan zusammengefügt.

1970 wurde die St. Nikola zu einer Gemeinschaftsschule. 900 jähriges Jubiläum wurde mit Empfang und Pontifikalamt begangen.

1992 wurde die Grundschule Nikola aufgelöst und die neue „Volksschule Passau Stadtmitte“ gegründet.

Mit Rektor Heinz Fuchs erfuhr die Nikolaschule eine Weichen stellende Neupositionierung. Sie gehörte nicht nur zu den ersten Hauptschulen in Bayern, die eine F10 anboten, an der die Schüler einen Mittleren Abschluss absolvieren konnten, sie war auch eine der ersten Volksschulen mit dem Angebot für Ganztagsklassen.

Aber nicht nur die Pädagogen und unterrichtlichen Neuerungen, das pädagogische Tun und die reformerischen Bewegungen sind in den Annalen verzeichnet, auch die Namen der vielen Hunderte von Schülern, die hier die Schulbank gedrückt haben:

Die berühmteste Persönlichkeit ist hier wohl der Kabarettist Bruno Jonas. Aber auch regionale Größen wie Willi Schmöller, Heidi Öller, alias Vivian Lindt, und „Spitzbua Markus“ erhielten hier ihre ersten unterrichtlichen und erzieherischen Unterweisungen.

Eines wird beim Studium der Geschichte der Volkschule St. Nikola deutlich: diese Schule hatte schon immer pädagogischen Vorzeigestatus. Durch die vielen Jahrhunderte hindurch initiierte sie unterrichtliche Prozesse und prägte neue Strukturen. Sie war mit ihren Pädagogen all die Jahre im Bemühen verankert junge Menschen für ihr Leben in Gesellschaft und Beruf bestmöglichst vorzubereiten und genoss weit über die Grenzen der Stadt Passau hinaus einen äußerst guten Ruf als engagierte Schule mit Vorzeigecharakter, die Unterricht auf hohem Niveau praktizierte.