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Theateraufführung „Es fängt immer harmlos an“

Begrüßung zum Theater “Es fängt immer harmlos an...“  (Fr. Petra Seibert, Rin. )
am Dienstag, 22. Juli 2009


„Am Freitagmorgen, 6. Februar, gegen 2.30 Uhr kam es am Parklatz vor der Diskothek „Vulcano“ in Aicha vorm Wald zu einer Auseinandersetzung zwischen einer 5-köpfigen Gruppe von Bundeswehrsoldaten außer Dienst sowie zwei 19- und 27-jährigen. Die beiden wurden von den Mitgliedern der Gruppe angepöbelt und niedergeschlagen.
Der 19-jährige wurde dabei leicht verletzt. Der 27-jährige erlitt so schwere Verletzungen, dass er durch einen Notarzt vor Ort reanimiert und anschließend ins Klinikum Passau eingeliefert werden musste. Dort erlag er um 4.50 Uhr seinen erlittenen schweren Verletzungen. Die Soldaten im Alter zwischen 19 und 20 Jahren hätten die beiden niedergeschlagen und seien danach geflüchtet, ohne sich um den Verletzten zu kümmern, erklärte die Polizei. Die Soldaten waren nach Polizeiangaben zur Tatzeit betrunken. Gegen sie erging Haftbefehl.“
Soweit der nüchtern-sachliche Polizeibericht.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere von Ihnen an die gleichlautende Pressemeldung. Der Alltag ließ uns diesen Vorfall so wie viele andere in den Hintergrund treten.
Bei einer von uns war dies jedoch nicht der Fall. Einfach auch deshalb, da sie den Landwirt, der hier totgeprügelt wurde, kannte und seine Familie mit zu ihren Nachbarn zählt: Für unsere Kollegin Michaela Bauer wurde diese Tat zu einem Erlebnis, dass sie nicht so schnell los wurde und abhaken konnte. Es wurde für sie zum Auslöser, diese Gewalttat in ein Theaterstück münden zu lassen: „Es fängt immer harmlos an“.
Wo beginnt die Gewalt?? Nun sie ist nicht nur körperlicher Natur und auch da sind die Anfänge klein: jemanden an den Haaren ziehen, stoßen, anpöbeln bis hin zu Bedrohungen mit Einsatz von Gegenständen und Waffen. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Palette. Gewalt hat aber auch seine Auswüchse im psychischen Bereich und auch hier beginnt es scheinbar harmlos: jemanden beleidigen, durch abweisende Blicke und Gesten deutlich machen, wie wenig er mir bedeutet ist hier nur der Anfang.
2007 wurde der höchste Wert von jugendlichen Tätern mit Gewaltdelikten in der Stadt Passau verzeichnet. Die Zahl der heranwachsenden Tatverdächtigen bei den Delikten der gefährlichen und schweren Körperverletzungen und den Sachbeschädigungen ist auf den höchsten Stand angestiegen. Grund ist die zunehmende Alkoholisierung von Jugendlichen.
„Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit“ meint Kofi Annan. Damit sind wir alle aufgerufen, in Zivilcourage gegen Gewalt in jeglicher Form unsere Stimme zu erheben, hier nichts mit einer falsch verstandenen Toleranz abzumildern oder wegzusehen, wo wir und unser Standpunkt gefordert wären.
So begrüße ich heute im Namen des Kollegiums und der Theatergruppe alle, die sich zu dieser abendlichen Stunde bei uns eingefunden haben. Ihnen sehr geehrter Herr SchAD Rottbauer, danke ich, dass Sie heute zu uns gekommen sind, obwohl gerade in diesen Tagen Ihr Terminkalender mehr als voll ist. Ich grüße aber auch unsere Elternbeiratsvorsitzende Frau Sagasser sehr herzlich und Sie alle, liebe Eltern und Gäste, die Sie gekommen sind.
Ich danke Frau Wildfeuer von der PNP für die Berichterstattung und freue mich ganz außerordentlich über Ihr Kommen.
So wünsche ich Ihnen und uns allen jetzt einen Abend, der uns in Erinnerung bleiben möge. Vielleicht hilft er uns in Zukunft daran zu denken, dass wir bereits im Kleinen, dem scheinbar Harmlosen von Gewalt in unserem Umfeld Einhalt gebieten.
"Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen,“ meinte Francesca Magnani, ehemalige Korrespondentin der Neuen Züricher Zeitung. Nehmen wir uns dies alle zu Herzen.
Vielen Dank!