Auf den Spuren jüdischen Lebens


Verena Brandl, PNP vom 09.06.2022 |

Schüler der Nikolaschule bekommen Stadtführung zum Thema Judentum in Passau

Gelebten Geschichtsunterricht mit Ortsbezug durften die Schüler der 8. Jahrgangsstufe der Mittelschule Sankt Nikola erleben. Bei der von Luisa Gese und Peter Schanzer organisierten Stadtführung zum Thema „Jüdisches Leben in Passau während des Nationalsozialismus“ bekamen die Schüler an vier Stationen Einblick in die Geschichte des Judentums in Passau.
Die Idee für diese schülergerechte Ortsführung zur Passauer Geschichte kam den beiden Pädagogen bei einer Stadtführung zu diesem Thema, die vom Runden Tisch gegen Rechts Passau organisiert wurde. „Wir wollen mit unserer Aktion das Demokratiebewusstsein der Schüler stärken, historische Bezüge schaffen und Vorbilder im Kampf gegen Antisemitismus und Nationalsozialismus zeigen“, informiert Luisa Gese zu ihrer Motivation für das Projekt. „Es ist wichtig, dass die Kinder aus der Geschichte lernen.“

Los ging dieser Lernprozess an den ersten beiden Stationen am Klostergarten, wo Luisa Gese ihrer Gruppe einige Eckdaten zum Judentum in Passau lieferte. Sie informierte die Schüler, die das Thema Nationalsozialismus zur Vorbereitung bereits im Unterricht behandelt hatten, dass es im späten Mittelalter eine Zeitspanne von 320 Jahren gab, in der alle Passauer Juden ermordet oder vertrieben worden waren. „Sie wurden damals für den Ausbruch der Pest in Passau verantwortlich gemacht und der Hostienschändung beschuldigt“, erklärte Gese . „Zu dieser Zeit wurde auch die jüdische Synagoge am Ilzufer niedergerissen. Dort wurde dann die jetzige Kirche Sankt Salvator errichtet“.

Peter Schanzer führte die Gruppe dann in die Fußgängerzone vor das ehemalige Warenhaus Merkur, das vor der Enteignung durch die Nationalsozialisten in der Hand der jüdischen Familie Bernheim lag. Die letzte Station bildete der Halt in der Nähe der Stadtpfarrkirche St. Paul, wo Schanzer über einen couragierten, nazi-feindlichen Pfarrer des Bistums Passau berichtete. Das Schicksal des Geistlichen Ludwig Mitterer, der sich nicht dem Nazi-Gedankengut anschließen wollte, sondern an die Gleichheit aller Menschen glaubte und dafür auf der Guillotine sein Leben lassen musste, berührte die Schüler besonders und machte ihnen klar, „dass es auch in solchen Zeiten wichtig ist, seine eigene Meinung zu vertreten“. Konrektor Florian Zirbel, der die Führung begleitet hatte, bedankte sich bei seinen zwei Kollegen für ihr Engagement und das tolle Projekt, das genau in ihren Lehrstoff passe und einen interessanten Ortszugang gebe.
Für Gese und Schanzer war dieses erste Projekt eine Art Bewährungsprobe, da es den Start für eine Projektreihe darstelle, die sie auf viele weitere Schulen ausweiten möchten. „Nach Pfingsten sind wir an der Realschule Niedernburg eingeladen und in den nächsten Jahren möchten wir natürlich viele weitere Schulen, gerne auch die Gymnasien, anwerben“, so Gese.